Was ist Slow Food?

Slow Food wurde 1986 von Carlo Petrini gegründet und 1989 zu einer internationalen Vereinigung mit heute über 100.000 Mitgliedern weltweit. Der Verein hat nationale Niederlassungen – in der Reihenfolge ihrer Entstehung – in Italien, Deutschland, Schweiz, USA, Frankreich, Japan, Grossbritannien und Mitglieder in 132 Ländern.

Der aktuelle Slow Food Almanach – Rückblick auf das Jahr 2015 – porträtiert anschaulich und abwechslungsreich in vielen Geschichten und Reportagen die internationalen Projekte und Aktivitäten der Bewegung. Lesen und entdecken Sie, was 2015 bei Slow Food weltweit wichtig und bemerkenswert war.  Almanach 2015 online lesen

Slow Food bedeutet, dem Genuss, der mit dem Essen verbunden ist, seine Bedeutung zuzugestehen, indem man lernt, die Unterschiede von Speisen und Aromen zu schätzen, die Vielfalt von Produktionsorten und Erzeugern zu erkennen, den Rhythmus der Saison und der Esskultur zu respektieren. Aber in dem Rezept, das Carlo Petrini und seine Mitstreiter vorschlagen, werden der Genuss und das Recht darauf für alle Menschen mit einem neuen Verantwortungsbewusstsein verbunden.

Diese Haltung wird bei Slow Food Öko-Gastronomie genannt. Sie vereint die Bewahrung und Erforschung der gastronomischen Kultur mit der Unterstützung aller, die sich in der Welt für die biologische Vielfalt im Agrar- und Lebensmittelbereich einsetzen. Slow Food sieht die Notwendigkeit zur Geschmackserziehung als der besten Verteidigung gegen schlechte Qualität und Betrug und als wichtigsten Weg gegen die Macdonaldisierung unserer Speisen.

Der Verein engagiert sich für den Schutz der lokalen Küchen, der traditionellen Erzeugungsbetriebe, der vom Aussterben bedrohten Pflanzen- und Tierarten und unterstützt ein neues Modell der Landwirtschaft, das weniger intensiv und dafür sauberer ist und sich auf das Wissen und savoir faire der lokalen  Gemeinschaften gründet – die einzige Möglichkeit, auch den ärmsten Regionen des Planeten Entwicklungsperspektiven zu bieten.

Aus diesem Grunde setzt sich Slow Food für den Schutz von Nahrungsmitteln, Rohstoffen, Anbau- und Bearbeitungstechniken ein, die von lokalen, in langer Zeit konsolidierten Bräuchen ererbt sind, für die Verteidigung der biologischen Vielfalt gezüchteter und wilder Arten, aber auch für die Erhaltung von Lokalen, die durch ihren historischen, künstlerischen oder gesellschaftlichen Wert zum Bestand der Materialkultur gehören.

Gut, sauber und fair

Slow Food verfolgt einen besonderen Ansatz bei der Behandlung dieser Themen. Die Philosophie der Bewegung, die zur Verteidigung des kulinarischen Genusses und zur Suche von langsameren, besonnenen Lebensrhythmen entstand, reicht von den Betrachtungen zum Wert der Nahrung bis zur Reflexion über die Lebensqualität und gelangt zur Anerkennung der Identitäten mit dem Ziel, die Geschichte und Kultur aller gesellschaftlichen Gruppen in einem Netz aus gegenseitigem Austausch zur Geltung zu bringen.

Betrachtet man den Wert eines Nahrungsmittels, ob es sich um eine Obstsorte oder ein lokaltypisches Gericht handelt, kann nicht von seiner Beziehung zur Geschichte, zur Materialkultur und der Umwelt absehen, in denen es seinen Ursprung hat. Aus diesem Grunde unterstützt Slow Food die Notwendigkeit, in der Agrar- und Tier- Zuchtproduktion ein Gleichgewicht aus Achtung und gegenseitigem Austausch mit dem umliegenden Ökosystem zu wahren – und das ist der Grund, warum Slow Food als Bewegung von Öko-Gastronomen definiert wurde.

Das Netz aus über 100.000 Mitgliedern von Slow Food ist in lokale Vereinsgruppen aufgeteilt, die in Italien Condotte und weltweit Convivien genannt und von einem Convivienleiter koordiniert werden. Diese Convivien organisieren Kurse, Verkostungen, Menüs und Reisen, fördern auf lokaler Ebene die Kampagnen des Vereins und nehmen an den großen von Slow Food auf internationaler Ebene organisierten Veranstaltungen teil. Es gibt über 1000 Slow Food Convivien, einschließlich der 350 Condotte in Italien.

Eines davon ist das Convivium Slow Food Vorarlberg, als Verein organisiert, mit derzeit ca. 100 Mitgliedern.