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Interview mit dem Gründer von Slow Food Vorarberg:

Slow Food Vorarlberg hat heuer das 10 jährige Jubliläum. Wie kamst du damals auf die Idee, ein Convivium in Vorarlberg zu gründen?
Ich habe das Buch „Osterie d`Italia“ (Italiens schönste Gasthäuser) durch Zufall gefunden. Dann hatte ich die Gelegenheit, mehrere Lokale aus diesem Lokalführer selbst zu testen und war von Lokal zu Lokal immer mehr begeistert. Auf den letzten Seiten des Buches bin ich auf die Erläuterungen der Slow Food Bewegung gestoßen, die mich sehr angesprochen haben. Nach Kontaktaufnehme mit dem Büro von Slow Food International haben mich die Mitarbeiter angeregt, ich soll doch in unserer Region ein Convivium gründen.

Bei uns zu Hause versammelten sich damals eine Runde von engagierten Frauen und Männer um diese Idee mit Leben zu erfüllen. Was ich toll finde, dass von der damaligen Runde noch fast alle aktiv im Vorstand mitarbeiten. Die Idee muss also gut sein.

Wer war bei der Gründung damals alles dabei und wo hat sie stattgefunden?
Sabine Venier, Klaus Breuss, Kurt Brachaz, der leider viel zu früh verstorbene Walter Venier, Gerwald Rainer und Edgar Kilian. Wie bereits gesagt, hat die erste Runde bei mir zuhause in Rankweil stattgefunden. Die Gründungsversammlung mit Genehmigung der Statuten und Wahlen fand im Gasthaus „Schäfle“ in Rankweil statt.

Was waren die ersten Veranstaltungen die ihr organisiert habt?
An einige kann ich mich noch sehr gut erinnern. So hatten wir z.B. einen Käseabend im Bregenzerwald, eine Weinverkostung in Schloß Hofen mit fünf Winzer aus Italien. Dann eine Bierverkostung in Frastanz, ein Kräuterabend im GH Rose, ein Klosteressen im Klosterkeller in St. Gerold, ein Besuch der Fischstation in Hard, usw.

Was wünscht du dir für unseren Verein für die Zukunft?
Dass er immer auf dem Boden bleibt, also Bodenhaftung hat. So sehr wir die Lust am guten Essen und Trinken pflegen, sollte es für alle Interessierte offen sein. Wir sollten kein Exklusivclub sein, sondern eine Bewegung, die offen für alle ist. Vom Konsument bis zum Produzent, vom Gastronom bis zum Kind. Alle sollten verspüren, dass wir in unserer Gesellschaft mit der Fast-food-Philosophie auf dem falschen Weg sind.

Welche Wünsche hast du an die Vorarlberger Gastronomie?
Wir haben im Land, das früher immer ein armes Land war, eine einfache Grundküche. Andererseits haben wir wieder eine große Vielfalt, da wir von den verschiedensten Teilen Europas besiedelt worden sind. Schauen wir nur einmal die Walserkost und die Bregenzerwälder Kost an. Da gibt es schon ordentliche Unterschiede. Genau solche Unterschiede würde ich mir von der Gastronomie wünschen. Es muss nicht immer alles genau so sein, wie vor 100 Jahren. Die Speisen können kreativ verfeinert werden. Entscheidend ist immer das Grundprodukt. Es gibt tolle Ansätze bei vielen Gastronomen.

Was würdest du dir von von den regionalen Produzenten von Lebensmitteln wünschen?
Ich weiß, dass es ein harter Weg ist, den manche Bioproduzenten gehen. Die Billigkonkurrenz ist gewaltig. Entscheidend ist, dass wir bzw. die Produzenten eigene Marken schaffen. Ein kleines Beispiel: Ein Landwirt im Weitried in Brederis hat mit großem Erfolg über mehrere Jahre ein „Grüner Spargel“ gezüchtet und auch vertrieben. Es gab also „Rankweiler Grüner Spargel“. Seit einigen Jahren ist die Produktion leider eingestellt worden, da sie arbeitsintensiver war als Maisanbau. Natürlich weiß ich, dass es auch Idealismus benötigt und am Anfang auch ein steiniger Weg ist. Längerfristig wird dies jedoch eine Marktlücke sein.

Und was wünscht du dir von uns als Konsument?
Dass wir genau solche Produzenten unterstützen, die solche Eigeninitiativen machen. Oder auch kleine Käsereien, einheimische Biersorten, einheimisches Obst kaufen. Dies soll nicht in Fanatismus ausarten, auch ich essen fallweise gerne eine Ananas und trinke gerne einmal ein Guinness-Bier aus Irland. Es geht um die Grundhaltung, dann erhält man auch eine gute Einstellung, die da heißen könnte „ Ja zur heimischen Produktion und fallweise offen für Neues“.

Gibt es sonst noch etwas das dir am Herzen liegt bezüglich "Slow Food" & Ernährung?
Ja, wir müssen bei unseren Kindern und Jugendlichen anfangen. Wenn Kindern nur noch Pommes mit „Rotem Saft“ sprich Ketchup kennen, wo sollen sie dann im erwachsenen Leben etwas von Geschmackssinn und geschmacksvielfalt wissen? Wir müssen als Eltern Vorbild sein, wir müssen in den Kindergärten und den Schulen beginnen, aber auch bei n Gasthäusern. Schauen wir uns einmal die Kindermenüs auf unseren Speisekarten an. Wo bleibt hier die geschmackliche Kreativität der ansonsten so kreativen Köche Vorarlbergs? Ich weiß, ein steiniger Weg, wenn wir nur an die vielen Beeinflussungen durch die Werbung denken. Aber er lohnt sich.

Was magst du am liebsten: Essen, Getränk, Buch, Film, Reiseland
Essen:
Ich bin vor allem neugierig und probiere gerne. Bei der Ländlekost sind gute Käsknöpfle (aber bitte mit etwas Sauerkäse!!) meine Nr. 1, ansonsten liebe ich Fische. Wenn Sie mich fragen, welches die beste Küche der Welt ist, ich weiß es nicht, da ich sehr viele sehr schätze. Sehr gut finde ich die Türkische Küche, die Original Chinesische Küche und natürlich die Küche aus den verschiedenen Teilen Italiens. Wobei es wieder eine Differenzierung benötigt. Es gibt sie nicht, die Italienische Küche, sondern jeder Landesteil hat seine Eigenheiten. Wie es auch keine Österreichische Küche gibt, denn was hat die Wiener Küche mit der Vorarlberger Küche gemeinsam?

Getränk: Ich bin leidenschaftlicher Rotwein-Genießer. Hier vor allem die sehr guten Weise aus dem Burgenland und auch aus der Steiermark, wobei ich generell nicht so gerne „Marken“ trinke, bei denen man vor allem der Name mit bezahlen muss. Ich entdecke immer wieder gerne etwas Neues.

Reiseland: Ich reise unheimlich gerne. Wobei ich gerne nach dem Grundsatz unterwegs bin „ Der Weg ist das Ziel“. Wenn ich so zurück denke, haben wir (meine Frau und unsere Kinder) schon sehr schöne Urlaube verbracht. Eigenartigerweise haben wir noch nie am selben Ort zwei mal den Urlaub genossen. Vermutlich hängt dies wieder mit meiner generellen Neigung zu Neuem zusammen. Sehr oft sind sogenannte Grenzregionen ganz tolle Reisegebiete, wo verschiedene Kulturen zusammentreffen.

Buch: Ich liebe es, Reiseführer zu lesen, aber auch Krimis.

Film: Drei hervorragende Filme:
der französische Film „Schokolad“ und „Wie im Himmel“, ein schwedischer Film. Der politischste Film ist für mich „Cabarett“ mit Lisa Minelli in der Hauptrolle. Den habe ich mindestens 5 x gesehen.

Kurze Info zu dir als Person
Jahrgang 1951, verheiratet mit Irmgard, 3 Söhne (haben scheinbar viel von mir geerbt), wohnhaft in Rankweil, erlernter Beruf: Koch und Konditor, ausübender Beruf: Öffentlichkeitsarbeiter beim IfS, Hobbys: Essen&Trinken - also genießen, reisen, Garten, tauchen und schnorcheln

Leitspruch: Das Leben ist zu kurz um schlecht zu essen und zu trinken.

 

 

Slow Food Vorarlberg

© 2005